10.05.2026

Muttertag – für echte Gleichberechtigung statt Blumen!

Der Muttertag findet in Deutschland an dem zweiten Sonntag im Mai statt. Entstanden in dieser Form ist er in den USA. Die Methodistin Anna Maria Jarvis gilt als die „Mutter“ des Muttertages. Nach dem unerwarteten Tod ihrer Mutter am zweiten Sonntag im Mai 1905, wollte Jarvis das Gedenken größer machen als nur an ihre eigene Mutter. Sie wollte allen Müttern – verstorbenen sowie lebendigen – gedenken. Jarvis wollte auf diese Weise die Rolle der Mutter und ihre Rechte stärken. Sie warb für die Einführung eines „Freundschafts- und Danktages“ für die Mütter. Am 8. Mai führte der damalige US-amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson den Muttertag mit Zustimmung des Kongresses ein.

Die Vermarktung des Muttertags

Schnell jedoch verlor der Muttertag seine originäre Bedeutung. Blumenhändler*innen, Juweliere, Süßigkeitenhändler*innen und andere Geschäftszweige witterten ihre Chance, ihre Verkäufe an diesem Tag zu steigern. Anstoß nahmen sie dabei bei Anna Maria Jarvis selbst, denn diese verteilte nach dem ersten Gedenkgottesdienst Nelken an die Teilnehmer*innen. Jarvis kämpfte bis an ihr Lebensende dafür, den eigentlichen Gedanken des Muttertags nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Der Muttertag in Deutschland

Auch in Deutschland hatte die Einführung des Muttertags dann einen unternehmerischen Hintergrund. 1923 wurde er durch den Verband der Deutschen Blumengeschäftsinhaber mit dem Spruch „Ehret die Mutter“ eingeführt.

Im Nationalsozialismus wurde der Muttertag dann zum offiziellen Feiertag und instrumentalisiert, um ein reaktionäres Frauenbild zu propagieren und weiter zu festigen. Im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie stand die „biologische Funktion“ der Mutter als Gebärende im Vordergrund. Ab 1938 vergab die nationalsozialistische Regierung das Mutterkreuz für das Gebären von mehr als vier Kindern. Der Muttertag wurde nach dem Krieg als Feiertag abgeschafft.

Aktuelle Kritik am Muttertag und die Lage von Müttern

Auch heute ist der Muttertag, ähnlich wie der Valentinstag, vor allem ein Tag des Konsums und des Schenkens. Kinder oder Ehepartner*innen beschenken die Mütter mit ihren Lieblingssüßigkeiten und Blumen oder schenken ihnen einen „freien Tag“. In Supermarktprospekten sieht man herzförmige Lebensmittel. Doch Mütter brauchen keine rosa Muffins oder Schaumbäder. Sie brauchen echte Entlastung und Gleichberechtigung.

Laut einer europaweit durchgeführten Studie der NGO Make Mothers Matter aus dem Jahr 2024 leiden 50% der befragten Mütter unter psychischen Problemen. 44% der befragten deutschen Mütter haben das Gefühl, dass die Gesellschaft ihre Rolle nicht wertschätzt. Auch in der Arbeitswelt nehmen Mütter weiterhin eine Benachteiligung wahr. 31% der befragten Mütter in Deutschland gaben an, dass sich die Mutterschaft negativ auf ihre Karriere ausgewirkt hat. Im Vergleich zum EU-Durchschnitt sind das 4% mehr.  Laut Bertelsmannstiftung sind besonders alleinerziehende Mütter enorm belastet: Sie haben öfter finanzielle Probleme, werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert und können sich oft nicht auf die Unterhaltszahlung des Expartners oder institutionelle Hilfe verlassen.

Gleichzeitig ist weltweit ein Rollback hin zu traditionellen Geschlechterrollen zu beobachten. Frauen sollen wieder vermehrt in die heimische Sphäre gedrängt werden. Sogenannte “Tradwives” erzählen auf Social-Media von ihrem traditionellen Leben daheim mit der Familie. In dieser Welt existieren keine finanziellen oder familiären Probleme, Partnerschaftsgewalt gibt es vermeintlich nicht, die Frau ist zufrieden ohne Ambitionen einer Karriere außerhalb der eigenen vier Wände. Auch rechtsextreme und -populistische Politiker*innen werben für eine Welt, in der Frauen vor allem für‘s Kinder kriegen und die Küche verantwortlich sind.

UN Women Germany möchte dem etwas entgegensetzen und stärkt mit ihrer Kampagne Feministischer Muttertag unter dem #Muttertagswunsch die politische und gesellschaftliche Bedeutung des Muttertags.

Auch wir sagen:

Statt Blumen braucht es echte (auch finanzielle) Anerkennung von unbezahlter Sorgearbeit und konsequente Maßnahmen für eine gerechtere Verteilung von bezahlter Erwerbs- und unbezahlter Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern!